Vorschau 2020: Deutscher Suchtkongress und DGPPN-Kongress in Berlin

Auch im aktuellen Jahr wird sich die Deutsche Suchtstiftung aktiv an der Gestaltung des Deutschen Suchtkongresses beteiligen. Dieser findet vom 14. bis 16. September 2020 in Berlin statt. Prof. Kiefer und Prof. Reimer sind dabei im Leitungsrat aktiv. Der dreizehnte Suchtkongress wird in diesem Jahr insbesondere gesundheitspolitische Kontroversen und gesellschaftliche Trends thematisieren.

Vom 25. bis 28. November 2020 findet der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin statt. Hierzu ist seitens der Vorstände der Deutschen Suchtforschung ein Symposium zum Thema „Trends und Herausforderungen in der Suchttherapie“ geplant, welches gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Suchtmedizin der Arbeitsgemeinschaft für Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie angemeldet wurde.

Jahresrückblick 2019

Der Rückblick auf die Aktivitäten der Deutschen Suchtstiftung im Jahr 2019 zeigt die Beteiligung an einer Vielfalt von Veranstaltungen. Die Stiftung, vertreten durch die Vorstände Prof. Bleich, Prof. Kiefer und Prof. Reimer, konnte in diesem Jahr verstärkt in Fortbildungsveranstaltungen und in der Forschung wirken.

Ein besonderer Inhalt war der Start der Überarbeitung der S3-Leitlinien  – medizinische Leitlinien für die Behandlung von Suchterkrankungen. Interdisziplinär wurde im Jahr 2019 begonnen, die wissenschaftlich fundierten und gleichzeitig praxisnahen Handlungsempfehlungen zu aktualisieren.

Der Deutsche Suchtkongress fand unter erneuter Beteiligung der Deutschen Suchtstiftung vom 16. bis 18. September in Mainz statt.

Am 19. Oktober fand das zweite Feuerlein-Symposium statt, welches gemeinsam mit dem feuerleinCTS und der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. in Heidelberg ausgerichtet wurde. Im Jahr 2019 war neben weiteren aktuellen Aspekten der Versorgungsforschung die E-Zigaretten ein Schwerpunkt.

Auch medial zeigte die Stiftung vertreten durch Ihre Vorstände Präsenz: In mehreren Interviews, Zeitungsartikeln und Fernsehreportagen wurde die Thematik der Abhängigkeit aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Dabei stand immer die Aufklärung über und Enstigmatisierung von dieser Erkrankung im Vordergrund.

Beteiligungen der Deutschen Suchtstiftung an Fortbildungen, beispielsweise zur Substitutionstherapie bei opioidabhängigen Menschen, rundeten das Jahr ab.

Die Deutsche Suchtstiftung bedankt sich bei allen Interessenten, Unterstützern und Kooperationspartnern. Wir laden Sie ein, uns auch im Jahr 2020 zu begleiten.

„Was macht Alkohol im Kopf?“ – Ein Beitrag von W wie Wissen

Was geschieht bei zunehmendem Alkoholkonsum oder gar einer Alkoholabhängigkeit im Gehirn? Dieser Frage widmete sich die Sendung ‚W wie Wissen‘, welche ihren Beitrag am 02.11.2019 erstmals ausstrahlte. Das Erste und der NDR besuchten dazu das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Im Videobeitrag werden auf körpereigene Mechanismen und Veränderungen im Gehirn eingegangen. Auch im dazugehörigen Infotext wird näher die Rolle des Belohnungssystems thematisiert. Die Wichtigkeit äußerer Umstände wie Stress und die Bedeutung alkoholischer Reize wird näher erläutert.

Rückblick auf das Feuerlein-Symposium 2019 in Heidelberg

Beim diesjährigen, zweiten Feuerlein-Symposium diskutierten ExpertInnen aus Praxis und Forschung aktuelle Aspekte rund um das Thema Sucht. Ein Schwerpunkt waren E-Zigaretten als neues Suchtmittel.

Dampfen statt Rauchen: die E-Zigarette auf dem Vormarsch
Nebelartige Dampfwolken in Geschmacksrichtungen wie Karamell, Pfefferminz, Vanille oder Ananas: Seit einigen Jahren sind in Deutschland immer öfters Menschen anzutreffen, die E-Zigaretten konsumieren. Ob mit oder ohne Nikotin: Die Tabakindustrie baut die neue Technologie der aromatisierten Dämpfe auf und bewirbt sie mit dem Label „gesünder als herkömmliche Zigaretten“ – ein Etikettenschwindel, der dazu führt, dass KonsumentInnen das Gefahrenpotential von E-Zigaretten deutlich unterschätzen.

Der medizinische Blick auf E-Zigaretten
Chancen für einen sanfteren Konsum oder doch eher Risiko? Diese Frage wurde unter anderem auf dem diesjährigen Feuerlein-Symposium diskutiert. E-Zigaretten werden durch medizinische Fachgesellschaften tendenziell kritisch bewertet. Zentrale Bedenken sind neben der Sorge, dass durch die geschmackliche Vielfalt der sogenannten Liquids Jugendliche zum Dampfen und dann zum Rauchen verführt werden, vor allem die Ungewissheit über Gesundheitsgefahren durch die erhitzten Liquids. So werden unter anderem ungeklärte Lungenerkrankungen diskutiert – und auch Todesfälle geraten zunehmend in den Fokus der amerikanischen Berichterstattung. Vor allem die in den USA vermarkteten USB-Stick-ähnlichen neuen Geräte führen zu einer Nikotinanflutung im Gehirn, die mit der durch herkömmliche Zigaretten erreichten vergleichbar ist. Dies lässt vermuten, dass E-Zigaretten ein ähnliches Abhängigkeitspotential besitzen wie ihr herkömmliches Pendant.

Die E-Zigarette im Diskurs des Feuerlein-Symposiums
Die Diskussion über das Gefahrenpotential von E-Zigaretten verläuft in Deutschland kontrovers: Gerade für schwer Tabakabhängige, die bereits stark unter den Folgen des Rauchens leiden, könnte diese Konsumform eine Verlangsamung der Chronifizierung und Minderung der Folgeerkrankungen ermöglichen und somit eine weniger tödliche Form des Rauchens darstellen. Andererseits lässt sich die E-Zigaretten-Technologie auch als Trojanisches Pferd der Tabakindustrie werten, mithilfe dessen die Nikotinabhängigkeit weiter gefördert wird – so die Einschätzung von Dr. Tobias Rüther (Klinikum der Universität München) auf dem diesjährigen Feuerlein-Symposium.

Das Feuerlein-Symposium: Verbindung von Forschung und Praxis
Das Feuerlein-Symposium zur Versorgungsforschung in der Suchttherapie findet jährlich im Internationalen Wissenschaftsforum Heidelberg (IWH) statt. Am 17. Oktober 2019 trafen sich in Heidelberg nationale und international renommierte Suchtforschende mit regionalen AkteurInnen der Suchtprävention und Suchttherapie und diskutieren aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft und deren Beitrag zur Versorgungsrealität. Neben dem Gefahrenpotential von E-Zigaretten wurden auf dem diesjährigen Feuerlein-Symposium unter anderem folgende Themen erörtert: Chancen und Risiken von häufigen stationären Behandlungen, Policy-Aspekte der Suchtkrankenversorgung, Besteuerung von Tabak und Alkohol, Präventionsstrategien und die Opioidkrise in den USA.

Organisiert wurde das Feuerlein-Symposium zum zweiten Mal vom Feuerlein Centrum für Translationale Suchtmedizin (feuerleinCTS) – auch wieder in Kooperation mit der Deutschen Suchtstiftung. Die wissenschaftliche Leitung des Symposiums übernahm Dr. Ulrich Frischknecht, psychologischer Psychotherapeut und Arbeitsgruppenleiter an der Klinik Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI in Mannheim. Das feuerleinCTS ist eine Kooperation der Suchtkliniken am Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch und am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Namensgeber ist Wilhelm Feuerlein (1920 bis 2015), der sich zeitlebens als Arzt und Wissenschaftler für eine bedarfsorientierte, evidenzbasiert und nicht stigmatisierende Behandlung von Suchterkrankten eingesetzte hat. In diesem Sinne ist es das Ziel des feuerleinCTS Forschung für die Behandlung nutzbar zu machen und für die Behandlung wichtige Fragestellungen zu beforschen.

 

Fotografien: Bernhard Schmidt.

Deutscher Suchtkongress 2019 in Mainz

Wie bereits in den vergangenen Jahren unterstützte die Deutsche Suchtstiftung auch im Jahr 2019 den Deutschen Suchtkongress mit finanziellen Mitteln. Der zwölfte Kongress wurde federführend von der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie (dg sps) organisiert und fand vom 16.09. bis 18.09.2019 in Mainz am Rhein statt. ExpertInnen aus den Bereichen Psychologie, Medizin, Sozialtherapie, Gesellschaftswissenschaften, Pädagogik, Sozialpädagogik und Erziehungswissenschaften tauschten sich zu Grundlagenforschung, Behandlung und Prävention von Suchterkrankungen aus und diskutierten die neusten Trends.

Fortbildung zum Thema „Diamorphin-Substitution“

Eine Substitutionstherapie bei opioidabhängigen Personen erfolgt mit gesetzes- und richtlinienkonform zu verordnenden Medikamenten. Dabei besteht das Ziel darin, in absehbarer Zeit eine Substanzfreiheit zu erreichen. Alternativ kann auch eine Schadensminimierung angestreben werden und dauerhaft substituiert werden. So können der Gesundheitszustand und die soziale Situation der Betroffenen deutlich verbessert werden. Wenn die Substition mit Ersatzstoffen wie Methadon, Polamidon oder Subutex nicht erfolgreich ist, kann beispielsweise eine Behandlung mit Diamorphin in Deutschland ebenfalls möglich sein.
Am 06. September 2019 fand zu diesem Thema einer Fortbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover statt, welche unter anderem von der Deutschen Suchtstiftung, begleitet durch Prof. Stefan Bleich, unterstützt wurde.

Schmerzmittel-Sucht: Ein Kommentar zum Opioidkonsum in Deutschland

Insbesondere in den USA wird derzeit die Thematik einer Opioid-Krise diskutiert. Auch spielt bei den weit verbreiteten Schmerzmitteln die Verantwortlichkeit der Pharmakonzerne eine Rolle. Dies stellte die Süddeutsche Zeitung am 27. August 2019 im Rahmen des Artikels Strafe für die Dealer dar. Prof. Jens Reimer gab dabei eine Einschätzung zur Opioid-Situation in Deutschland ab.

Absolut nüchtern oder relativ trocken? Literatur und Suchtforschung

Das Forschungsmagazin ABSOLUT & RELATIV der Universität Heidelberg betrachtet die Wissenschaft gerne aus verschiedensten Perspektiven. Relevante Fragen der Menschheit zu beantworten, Antworten zu suchen (und zu finden) – eine Aufgabe an die WissenschaftlerInnen der Universität und eine Einladung auch an Sie:
In der aktuellen Ausgabe finden Sie in Kapitel IV einen Beitrag von Prof. Dr. Tobias Bulang und einem der Vorstände der Deutschen Suchtstiftung, Prof. Dr. Falk Kiefer. An der Schnittstelle von Literatur und Suchtforschung wird dabei die absolute Abstinenz einer relativ geringen Trinkmenge gegenüber gestellt und vor dem Hintergrund frühneuzeitlicher Literatur diskutiert. Den Beitrag „Von Sucht und Teufel – Absolut nüchtern oder relativ trocken?“ können Sie hier einsehen.